Homepage einer Anthologie
Es
ist fast wie im richtigen Leben. Man lernt sich kennen und schätzen,
im Internet eben in Foren, in Chats, in Weblogs. Irgendwann trifft
man sich auch mal alleine und plant Projekte und so kam die Idee
einer Print-Anthologie auf. Ich denke Christiane Geldmacher machte
zuerst Dampf deswegen. Ideen haben sehr oft ein Eigenleben. Zuerst
schwirren sie nur im Raum herum, dann wollen sie sich manifestieren.
Also trafen sich die Autoren im Forum
Page99, das Eufemia Pursche zu
diesem Zweck zur Verfügung stellte und schrieben und schrieben.
Zur Herausgeberin wurde Barbara
Wenz gekürt, die zusammen mit Christaine
Geldmacher auch die Hauptlast des Lektorates trug. Als Verlag
wurde Monsenstein und Vannerdat
gewählt um das Werk als BoD herausbringen und vertreiben zu
können. Khalidah alias Margarete Swadzba entwarf drei Cover und
die Autorengemeinschaft wählte eines davon aus. Neugierig
welches? Buch kaufen ;-)) , da ist es 'drauf. Ja und Gertraud
Schubert übernahm das schweisstreibende Amt der Layouterin. Mit
dem sagenumwobenen Programm Latex entwickelte sie unter Linux die
pdf-Dateien für den Druck. Neugierig, wie das aussieht? Buch
kaufen, genau.
Gertraud
Schubert:
Alles
ganz einfach - Die Leiden einer Hobby- Layouterin
Wenn
mein Sohn sagt, mit diesem Programm geht es ganz einfach, weiß
ich zweierlei. erstens: Er hat keine Zeit und keine Lust sich mit
meinem Problem zu beschäftigen. Und zweitens: Es ist alles
andere als einfach.
Erst
einmal ist alles tatsächlich einfach: umsteigen auf den
Linux-Rechner im Keller – viel leichter als erwartet. Lyx und
Latex sind bereits installiert, Benutzerhandbuch ist vorhanden. Es
gibt fertige Vorlagen für Romane, für Lyrikbände und
natürlich für naturwissenschaftliche Bücher, denn
dafür wurde das System ja geschaffen (schon mal mit word
Matheformeln versucht? Da greift man lieber gleich zum Bleistift und
scannt sie ein!)
Die
Vorlage heißt Memoir und ist auch schon da und aufgerufen. Ich
brauch nur noch den Text importieren und los geht es. So weit
wirklich einfach. Aber dann!
Die
Vorlage, die sich die Herausgeberin vorstellt, gibt es nicht. Also in
den Vorspann von Memoir einklinken und mittels Latex die
Eigenschaften der Überschriften ändern.
Dann
hat Elsa eine Story mit tschechischen Sonderzeichen verbrochen. Ich
suche nach einem tschechischen Zeichensatz – finde ich nicht,
vor allem weil ich kein tschechisch kann und nur deutsch und englisch
google. Ich melde mich bei diversen Foren und Plattformen an. Die
Antworten – wenn ich überhaupt welche erhalte –
gehen über einen Tipp für französische Akzente nicht
hinaus. Ich drucke das komplette Handbuch aus und lese es von vorne
bis hinten (wirklich und wahrhaftig! Naja, nicht bis ganz hinten,
aber doch ziemlich weit) und – oh Wunder! – werde fündig!
Wieder einmal ist es ganz einfach: umschalten in den Mathemodus, da
gibt es alle möglichen Zeichen zum über die Buchstaben
setzen, sogar die tschechischen Haschecks oder wie immer sie heißen.
Hier heißen sie natürlich anders. Es gibt sogar mehr als
ich brauche und sie lassen sich über alle Buchstaben setzen.
Mein Sohn nickt anerkennend, so dass ich die Nase gleich etwas höher
trage. Wohlgemut maile ich die fertige pdf-Datei in die Runde. Doch
Hochmut kommt vor dem Fall. Hutschi meldet, dass die Zeilen nicht
durchlaufen. Es sieht schauderhaft aus, wenn auf zwei
nebeneinanderliegenden Seiten, die Zeilen gegeneinander verschoben
sind, meint er.
Das
kommt davon, weil Memoir so einfach ist. Es produziert keinerlei
Hurenkinder, Waisenknaben, Schusterjungen und wie diese Zeilen und
Wortüberhänge im Setzerjargon heißen, aber einfach in
dem es im Falle, dass zwei Zeilen übrigbleiben, es diese auf die
vorangehende Seite quetscht, einfach die Zeilenabstände
verringert.. Dann sind halt auf einer Seite zwei Zeilen mehr. Eine
einfache Lösung - aber man sieht es tatsächlich! Jetzt habe
ich meinerseits dazwischen gequetscht, nämlich Leerzeilen, hab
Abstände vergrößert und verkleinert. Mal wieder am
Latex-Vorspann verändert. Bis alles glatt war: Version 7 des
pdf-Files.
Und
just dann kam einer der Autoren und meinte, er hätte während
seines 6-wöchigen Urlaubs seinen Text noch etwas geändert.
Und einige der Leerzeilen wären doch im Originalmanuskript nicht
gewesen, wo die denn herkommen.
Einen
pdf-File Nummer 8 habe ich nicht gemacht.
Aber
die Bemerkung von Herrn Monse, das Layout wäre recht
professionell, die ging einfach runter wie Honig!