Homepage einer Anthologie











Eine Rezension von Iwo Randoja

Spaß in 39 Gängen. Oder: Einfach lecker!

Eine Anthologie ist eine Sammlung literarischer Werke unterschiedlicher Verfasser. Ohne verbindendes Thema. Muss nicht, kann aber. Wie hier. Barbara Wenz alias Elsa Laska versammelt Autoren, die vor allem dreierlei gemein haben: Die Lust am Schreiben, das Internet als bevorzugten Publikationsort und, wie die Herausgeberin und Co-Autorin beschwört, „die unstillbare Sehnsucht, die Werke auf dem Sofa zu lesen“.

Der Beweis letzterer Behauptung wird hier angetreten. In 39 Gängen. „Es ist angerichtet“, der Titel der Sammlung, gibt das Thema vor: Essen. Wie der Untertitel des Buches unmissverständlich klar macht, besteht dieses „literarische Buffet“ aus diversen Küchen und Geschmacksrichtungen. Serviert werden Lyrik, Kurzprosa, Erzählungen, erotische Geschichten und sogar einem Mini-Theaterstück wurde von der Küchenchefin ein Platz auf der Speisekarte zugewiesen. Die Zutaten dafür liefern 15 Autoren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Von der Studentin über die nach Kanada ausgewanderte Schweizer Farmersfrau bis zum preisgekrönten Autoren ist in dieser Küche für jeden Platz.

Um den Speichelfluss etwas zu erhöhen: Es schmeckt! Immer ganz anders. Denn Essen ist hier nicht gleich Essen. So kommt man in der Erzählung „Effeff - ein Gedicht“ von Eufemia Pursches dem schriftstellernden Helden in seiner Pommesbude sehr sehr sehr nahe. In Elsa Laskas erotischer Geschichte „Das Keanu-Reeves-Syndrom“ (bei der man, ganz im Ernst, vor lauter Augenzwinkern kaum den Teller findet) wird jeder Gang zur Vorspeise eines nicht minder köstlichen Desserts. Daneben lyrische Stückchen wie „ein halbes sixpack“ von Uwe Borowski, bei denen sich zwischen scheinbar beliebig verlegten, bildhaften Teigstreifen immer süßeste Marmelade findet, an den die eigenen Gedanken kleben bleiben.

Im Grunde ist alles hier wie bei einem echten Buffet. Manche Speisen schmecken eben besser als andere. Weshalb das Herausgreifen einzelner Texte wenig über den Gesamteindruck verrät. Denn letztendlich entscheidet bei einer Anthologie die Menüwirkung und nicht das Wissen über die Verwendung einzelner Gewürze über das Können des Buffetiers.

Und hier komme ich zum Punkt: „Es ist angerichtet“ ist Teamwork. Es ist zu spüren, dass hier eine verschworene Truppe gemeinsam ihren Teig ins Waffeleisen gefüllt hat. Lesen Sie das fast schon liebevolle „Köchelverzeichnis“ mit den Kurzportraits der Autoren und Berti Vogts scheint Ihnen sein „Der Star ist die Mannschaft“ ins Ohr zu flüstern.

Anders gesagt: Hier wurde Spaß verlegt. Kein künstliches Konzept, das vor lauter Kopflastigkeit den Bauch vergisst und damit langweilige Leere erzeugt. Kein intellektuelles Konstrukt, das zur Beschäftigungsgrundlage für Oberstudienräte („Was wollte der Autor damit sagen?“) verkommen könnte. Einfach nur Spaß, mal mit mehr, mal mit weniger Sauce.

Der Rückseitentext sagt: „Unser literarisches Buffet ist angerichtet – für Sie!“ Ich hätte große Lust hinzuzufügen: „... und für uns – die Autoren!“



Doch so oder so: Es hat geschmeckt. Probieren Sie mal. Es ist angerichtet.





























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